Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Wortschätzchen: Hintergangen

Hallo, Welt!

Was für ein prächtiges Wort, H*I*N*T*E*R*G*A*N*G*E*N*
Ich schnappte es gestern bei einer Veranstaltung auf, als eine Frau sagte, „ich fühlte mich hintergangen“. Sofort lief mein Kopf heiß, ich hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie sie sich fühlte.

Ich habe mal die Fantasie, dass der Begriff eigentlich aus einem militärischen Zusammenhang stammt und dass jemand, den man von vorn erwartete, plötzlich von hinten kam oder eben hinter einem vorbeigezogen war. Auf jeden Fall hat es etwas mit Heimlichkeiten zu tun. Während meine Augen nach vorn gerichtet sind oder waren, ist etwas geschehen, was ich nicht gesehen habe. Mal sehen, inwieweit es mir gelingt, diese Fantasie auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, aber das mache ich nicht via IPad.

Nun also der nähere Blick auf die Gefühle. Wie könnte sich jemand fühlen, der von sich sagt, er fühle sich hintergangen?
Je nach Typ vielleicht
Ärgerlich
Alarmiert
Angespannt
Angstvoll
Bedrückt
Betroffen
Bitter
Durcheinander
Einsam
Ernüchtert
Erschreckt/erschüttert
Hilflos
Sauer
Traurig
Schockiert
Streitlustig oder teilnahmslos

Das Geschehene kann uns entweder lähmen oder beflügeln, nehme ich mal an.
Überwältigt
Verzweifelt

Das könnte es so grob gewesen sein. Ich merke immer wieder, wenn ich versuche, mich bei so einem Wort einzufühlen, dass es doch sehr auf Typ und Situation ankommt. Manchmal mag heller Zorn lodern, bei anderen bricht schwarze Depression aus. Meine Findungsbemühungen sind daher eher als Anregungungen zu sehen, was dahinter stehen könnte.
Bei den Bedürfnissen sprang mich eines als erstes an:
Sicherheit
War eigentlich Kontrolle ein Bedürfnis? In meiner Handliste steht es nicht.
Vertrauen
Integrität
Vielleicht Kongruenz, kommt auf die Situstion an.
Ehrlichkeit
Klarheit
Beteiligung
Zugehörigkeit
Harmonie

Das sind so die wesentlichen Bedürfnisse, die mir dazu einfallen.

Mir ist außerdem in den vergangenen Tagen sehr intensiv aufgefallen, wie sehr wir unser Leben Elend gestalten können, wenn wir bestimmte Sachen von uns oder anderen denken. Denke ich, dass ich hintergangen wurde, bin ich in der Opferhaltung. Und *richtig* wäre gewesen, wenn der Gegenspieler in dieser Angelegenheit offen und direkt gewesen wäre. Dabei verkennt das *Opfer* die wunderbaren Absichten des Handelnden. Egozentrierte Weltsicht, möchte ich mal etikettieren.
Wenn ich mich entscheide zu denken, ich sei hintergangen worden, dann füge ICH mir Schmerz zu. Sage ich aber als Beispiel, XY hat Geld vom gemeinsamen Konto abgehoben und es für Glücksspiel ausgegeben, liegt darin überhaupt keine Bewertung meiner Person. Ich kreiere diese Bewertung selbst, wenn ich sage, ich wurde hintergangen…
Ich merke mittlerweile, dass ich solche selbstschädigenden Äußerungen immer seltener benutze und nur noch sehr gelegentlich denke. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

So long!

Ysabelle

Sicherheit

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