Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Der Großmeister erklärt „sensitive“

Hallo, Welt!
Ich wünsche uns allen so gutes Englisch, dass wir dieses Uralt-Video von Marshall genießen können. Es geht um enge Beziehungen (von geliebten Menschen) und jemanden, der zu seinem Partner sagt: Du bist zu empfindlich…

Enjoy!

So long!

Ysabelle

Über Empathie

Hallo, Welt!

Ich bin noch immer nicht fit, daher rückt mein Hirn keine Wortschätzchen und keine Tagemeditation heraus. Aber ich habe etwas für die Ohren gefunden, was ich gern mit Euch teilen möchte. Einen Psychologie-Podcast von HR2 aus der Reihe Funkkolleg. Der Vortrag dauert knapp 30 Minuten und bereitet verständlich auf, was Empathie ist. Überraschend war für mich, dass man Schadenfreude nur empfinden kann, wenn man empatisch ist. Das hatte sich Marshall sicher anders gedacht.

So long!

Ysabelle

Neue Scheibe von Pascal Gentner

Hallo, Welt!

Wenn Ihr im Blog rumsurft, findet Ihr einen Hinweis auf den Liedermacher Pascal Gentner. Von ihm stammt das schöne Lied „wenn du mir zuhörst“. Heute schickte er eine Mail rum, die ich gern mit Euch teile:

Hallo!
Endlich ist sie fertig, die CD „teilen“ mit 22 neuen Songs über Balance und Heimweh, (Groß-)Väter und Kinder, Mediation und Recht haben, Poppkörner und Finanzkrisen, ewige Lichter und Plan C. 
Leicht, nachdenklich, humorvoll, besinnlich, optimistisch.
79 Minuten Musik, 28 Seiten Booklet inklusive aller Texte und Gitarrenakkorde.

Hier könnt Ihr in die Stücke reinhören www.pascal-gentner.de
Wer die Katze gleich im Sack kaufen will, kein Problem: gleich antworten (oder über homepage bestellen), Postadresse nicht vergessen! 
Kosten: € 15,- plus € 2,- Versand, kann nach Erhalt überwiesen werden. 
Für Großkunden gibt’s Rabatt: ab 3 keine Versandkosten, ab 5 Stück 14,4 % Nachlass.  
Auf youtube findet Ihr unter meinem Namen einige Videos, darunter auch seltsame, eines Liedermachers kaum würdig 🙂 www.youtube.com/pascalgentner  

Noch ein Letztes: diejenigen, die in meinen Verteiler gerutscht und genervt sind, sorry; bitte gebt Bescheid, damit ich Eure Adresse löschen kann. 
   
Alle anderen: bitte sendet diese Nachricht an potentiell Interessierte weiter, Ihr würdet damit mich und meine Musik erstklassig unterstützen. Organisiert Hauskonzerte, es macht Spaß und ist etwas Besonderes! Infos hier http://www.pascal-gentner.de/hauskonzert.html

Vielen Dank und herzliche Grüße von Pascal 

Pascal Gentner
Kanalstr. 9
27616 Bokel
04748-947599
pascal.gentner@gmx.de
www.pascal-gentner.de

So long!

Ysabelle

Buchtipp: Psychosomatik

Hallo, Welt!

Ich bin krank und kann nicht denken. Aber für einen Buchtipp und eine CD-Neuerscheinung reicht es hoffentlich.

Mein Körper – Barometer der Seele.
Das psychosomatische Lexikon, das schon beim Lesen hilft
von Jacques Martel

Lesen Sie sich gesund!

Ein neuartiges Lexikon zur Gesundheitsvorsorge und Selbstheilung: Konzentriertes (lautes) Lesen aktiviert Körper, Geist und Seele und stellt die inneren Weichen auf ein positives Lebensgefühl um. Für alle, die die seelischen Hintergründe ihrer Krankheiten verstehen wollen, und für alle, die sich für Psychosomatik interessieren. Warum hat es mich erwischt? Warum habe ich gerade diese Krankheit bekommen? Warum fühle ich mich so? Auf diese Fragen gibt Jacques Martel Antworten und hilft damit jedem zu verstehen, welche Signale die eigene Seele in körperlichen Krankheiten auszudrücken versucht. Abgefasst als Lexikon zum Nachschlagen der Symptome, bietet dieses Buch mit seinen mehr als 700 Stichwörtern weit mehr als Informationen. Eine besondere Lesetechnik aktiviert Bewusstwerdungsprozesse, die die Weichen auf ein positives Lebensgefühl umstellen.

So weit der Klappentext.

Ein schönes Nachschlagewerk, was mir im Alltag oft hilft in Erfahrung zu bringen, was meine aktuelle Seelenbaustelle ist…. Dieses Buch kam ungefähr vor drei Jahren zu mir und hat mich seither tausend Mal verblüfft. Einmal habe ich jemandem daraus vorgelesen, der sich in der Schneidemaschine zwei Finger verletzt hat, und die Reaktion war schierer Unglaube: „Das steht da nicht wirklich?!“

Doch.
Mehr als einmal habe ich fassungslos vor den Zeilen gesessen und gedacht, das kann ja jetzt mal gar nicht wahr sein. Ob kalte Füße oder Akne, Asthma oder Stirnhöhlenvereiterung: dieses Lexikon nennt mehrere hundert Körpersymptome und gibt einen Hinweis darauf, was unsere Seele damit wohl zum Ausdruck bringen möchte. Und es war bisher noch nicht einmal so, dass ich dachte, na, da liegt Herr Martel ja mal total daneben.

Niedergelegt hat mich ein Magen-Darm-Virus. Da bleiben für mich keine Fragen offen…

So long

Ysabelle

Internationale Giraffen-Hotline

Hallo, Welt!

Hier ein Tipp für alle, die in Not sind oder sich gerade kraftvoll fühlen, anderen beizustehen.

Bei Skype, dem kostenlosen Online-Kommunikationsprogramm, gibt es jetzt eine

NVC Hotline
Einfach als Kontaktname
NVC Hotline
eingeben und Ihr werdet zu einem automatischen Menü geführt. Es fragt Nationalität, Standort, zur Verfügung stehende Sprachen und ähnliches ab und vermittelt dann weiter an einen NVC-Gesprächspartner. Damit ist die nächste Dosis Empathie nur noch einen Mausklick entfernt.

ich habe es ausprobiert und war schwer beeindruckt, wie leicht man miteinander ins Gespräch kommt.

Viel Spaß dabei.

So long!

Ysabelle

So geht Empathie

Hallo, Welt!
Einer meiner Lieblingstrainer hat ein neues Video bei Youtube. Aber jetzt auch hier:

Vorhang auf für Gerhard Rothhaupt!

Ich freu mich, es gleich heute gefunden zu haben und hier präsentieren zu können.

So long!

Ysabelle

Gute Neuigkeiten für Aufschieber

Hallo, Welt!

Das Buch, das mich zur Zeit fasziniert, heißt „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“ von Kathrin Passig und Sascha Lobo. Ich bin noch ganz am Anfang, aber was mir besonders gut gefällt, ist dass die Autoren einen Paradigmenwecheel anregen. Die allgemeine Meinung zum Problem Prokrastination (Aufschieberitis) lautet: reiß dich zusammen! Die Anforderungen sind zu schaffen und auch du wirst sie schaffen, wenn du dir genug Mühe gibst.
Da ist ja mal Wolf pur.
Die Autoren dieses Buches nun stellen diese Anforderungen in Frage. Mir wird deutlich, dass unser genetisches Programm ein paar hunderttausend Jahre alt ist. Vor so einem übschaubaren Zeitraum von nur 7000 Jahren lebten wir noch in der Steinzeit. Unsere Anforderungen waren essen und Schutz finden. Für dieses Programm sind wir sozusagen konfiguriert. Man ging jagen, wenn die Büffel durchzogen, angeln, wenn die Lachse flussaufwärts zogen. Es gab Jägerhorden und Farmer. Die Jäger mussten ständig aufmerksam sein, auf der Hut, sie mussten schnell sein und sofort reagieren. Aber das machten sie nicht 365 Tage im Jahr. Jagd war auch Ritual.
Die Farmer bestellten die Felder, kultivierten Obst, pflegten die Tiere. Da brauchte es Ausdauer und Verlässlichkeit, Ruhe, Weitsicht. In unserer modernen Gesellschaft sollen wir beides gleichzeitig liefern: Topleistungen bei der Jagd und Langfristplanungen bei Projekten. Kein Wunder, dass da unser Futterkasten zwischenzeitlich Overflow meldet und wir uns weigern, diesen Brief vom Amt aufzumachen. Es ist zu viel! Die Anforderungen passen nicht für mich, und ich habe die Erlaubnis, die Anforderungen, denen ich mich stellen MÖCHTE, so zu definieren, wie sie für mich passen!

Der erste Schritt ist also der Abschied von Maßstäben, die wir nicht selber gesetzt haben. Der zweite Schritt ist die Entwicklung von Maßstäben, die für uns passen. Und über allem steht der Abschied von Glaubenssätzen, wir müssten so und so sein, und das und das schaffen, und damit verbunden die Erlösung von quälenden Schuldgefühlen.
Selbst wenn ich das hier nur zusammenschreibe, merke ich, welche Erleichterung mich durchströmt. Ich muss es nicht mehr anderen Recht machen. Ich kann meinen eigenen Weg finden. ich darf auf meine Gefühle und Bedürfnisse hören. Ich darf anerkennen, dass ich mein eigenes Tempo und meine eigenen Prioritäten setze, und nichts ist daran richtig oder falsch.
Ich schätze mal, dieses Thema wird mich noch einige Zeit bereichern, vor allem wenn ich an die Papierberge auf meinem Schreibtisch im Büro denke!

So long!

Ysabelle

Noch ein Hinweis zur Geschäftsordnung: ich bin zur Zeit darauf angewiesen, meine Blogbeiträge auf einem mobilen Endgerät zu tippen, das eben nicht so komfortabel ist wie ein Laptop oder ein normaler Computer. ich kann nicht scrollen, es gibt keine Fehleranzeige wie in Word. Daher kommt es zur Zeit vermehrt zu Tippfehlern und Auslassungen. Niemand bedauert das mehr als ich, weil es mein Bedürfnis nach Schönheit unbefriedigt lässt, aber im Moment kann ich es nicht ändern, es sei denn, ich verzichte aus zeitlichen Gründen aufs Schreiben. Und dann ist aber mein Bedürfnis nach Sicherheit (im Sinne von Beständigkeit/Velässlichkeit) so was von im Mangel, das geht gar nicht. Also leben wir miteinander mit den Tippfehlern. Wer welche findet, darf sie behalten!

Wenn Gott Aufschieberitis hätte…

Hallo, Welt!
Zum Thema Prokrastination fand ich noch einen anderen Film, der mich schwer begeistert hat.
für nur zwei Minuten nicht schlecht, würde ich sagen!

Ich lese nämlich gerade das Buch, das hier beworben wird, und habe Freude daran!
So long!

Ysabelle

Lesestoff und Hörfutter

Hallo, Welt!

Oliver fragte heute in einem Kommentar nach Buchtipps, in denen Anliegen-Arbeiten transkribiert sind (meint: wörtlich abgeschrieben… Ich will das immer mit zwei S schreiben, das lässt der Duden aber nicht zu.) Ich habe drei solcher Bücher neben mir liegen und bin erstaunt, weil ich dachte, ich hätte alle aus dieser Reihe.

Bei Junfermann sind mehrere Workshop-Mitschriften erschienen:

1. Den Schmerz überwinden, der zwischen uns steht (7,50 €)

2. Wie ich dich lieben kann, wenn ich mich selbst liebe (7,90 €)

3. Was deine Wut dir sagen will: Überraschende Einsichten (7,50 €)

(von denen weiß ich genau, dass sie Transkriptionen enthalten, weil ich gerade noch mal nachgeguckt habe.

Ebenfalls aus dieser Serie, und daher vermutlich ähnlich aufgebaut sind

4. Das können wir klären – Wie man Konflikte friedlich und wirksam lösen kann (5,90 €)

5. Kinder einfühlend unterrichten (7,90 €)

6. Kinder einfühlend ins Leben begleiten (7,90 €)

Erhältlich sind sie natürlich alle bei Amazon, beim Verlag Junfermann oder bei Conex, wo ich sehr gern Bücher bestelle in der Hoffnung, dass da ein bisschen Geld für die Arbeit der Bewegung hängen bleibt.

Was mich im vergangenen Jahr sehr unterstützt hat, sind die Workshop-Mitschnitte von Marshall, die es auf CD gibt. Ich höre das abends im Bett, finde es aber nicht leicht oder einfach, weil die Qualität der Aufnahmen nicht meinen Wünschen entspricht und weil gelegentlich (natürlich) durcheinander gesprochen wird, und das auf Englisch. Da muss ich mich schon sehr konzentrieren.

Gleichzeitig haben mir die CD’s an ganz unerwarteter Stelle Erleichterung gebracht. Ich höre nämlich, dass Marshall keineswegs immer alles mit Giraffenohren aufnimmt und dass lediglich Giraffensprache aus seinem Mund perlt. Er ist manchmal auch kurz, er sagt „nein, dass ist keine Empathie“ oder ähnliche Sachen. Und das lockert bei mir den Würgegriff um den Hals, mich stets giraffisch ausdrücken zu wollen. Neulich war ich unter Baby-Giraffen und es wurde in einer ausgewiesenen Empathie-Runde fröhlich intellektuell nachgefragt. Ich bin jetzt noch erschüttert, DASS da mit mir die Gefühle durchgegangen sind, und ich ganz schön losgepoltert habe: „Das ist keine Empathie…“ In dem Moment ging es nicht besser. Da erleichtert es mich schon, wenn ich höre, dass selbst Marshall gelegentlich einen Anflug von Ungeduld in der Stimme hat…

Die CD’s, die ich höre, sind:

The power we have to create the world of our choosing
ein extrem lustiger Vortrag, den Marshall anscheinend 2005 beim Jubiläum einer Kirchengemeinde gehalten hat

Nonviolent communicaton
Sein Buch-Klassiker als Hörbuch-Aufbereitung. von ihm selbst gesprochen. Sehr schönes, gut verständliches Englisch. Ich liebe es, wenn Marshall Rollenspiele nachmacht! Ich kann den Menschen praktisch vor mir sehen, den er da spielt!


Creating a Life -Serving System within oneself

Workshop-Mitschnitt

Experiencing Needs as a Gift
Sehr berührendes Thema, für mich hilfreich aufgearbeitet

Needs and Empathy
Workshop-Mitschnitt

Giraffe fuel for life
Workshop-Mitschnitt

Intimate Relationships
Workshop-Mitschnitt

Ich habe mir auch die CD gekauft, auf der er singt.
Live Compassionatly

hier ein kleiner Vorgeschmack dazu: Und mit diesem Lied verabschiede ich mich an dieser Stelle!

So long!

Ysabelle

Interview mit Isolde Teschner, GfK-Trainerin

Gewaltfreie Kommunikation: eine Sprache des Lebens

Interview mit Isolde Teschner, gefunden auf dem Blog der „Organisation für eine solidarische Welt“ (OEW)

Marshall B. Rosenberg ist international tätiger Konfliktmediator. In den letzten dreißig Jahren hat er die von ihm entwickelte Methode der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in mehr als 20 Ländern an Ausbilder, Schüler, Eltern, Manager, Militärs, Friedensaktivisten, Anwälte, Gefangene, Polizisten und Geistliche weitergegeben, unter anderem auch in Krisengebieten in Afrika, Osteuropa und dem Nahen Osten. Die GFK geht davon aus, dass es dem Grundwesen des Menschen entspricht, zum Wohl der anderen beizutragen.

Isolde Teschner aus München ist GFK-Trainerin
OEW:
Wie sind Sie mit Marshall Rosenberg und der Gewaltfreien Kommunikation in Kontakt gekommen?
Isolde Teschner:

Vor fast genau zwanzig Jahren habe ich innerhalb der Friedensbewegung einen Arbeitskreis zur Friedenserziehung gegründet. Auf der Suche nach geeigneten Themen sind wir zufällig auf Rosenberg und seine Methode der Gewaltfreien Kommunikation gestoßen. Bald haben wir gemerkt, dass wir ohne Erklärung und Unterstützung nicht weiterkommen, und so haben wir ihn nach München eingeladen. Das war sein erstes Seminar außerhalb Amerikas; es fand sehr großen Anklang, und so folgten bald viele weitere Seminare in ganz Deutschland.

Inzwischen gibt es mehrere Zentren und Gruppen, die sich mit GFK beschäftigen, sowohl in Deutschland als auch in Österreich und in Italien.
Ich bin mittlerweile zertifizierte GFK-Trainerin, das bedeutet, dass ich mich dem Zentrum in den USA zugehörig fühle, beziehungsweise der großen Gemeinschaft derjenigen, die weltweit GFK praktizieren.

Die GFK war zunächst sehr methodisch, fast wie eine Technik. Rosenberg hat sie aber später vertieft, und im Moment steht der spirituelle Aspekt im Vordergrund beziehungsweise die Veränderung der Strukturen, also das, was wir „social change“ nennen.
OEW:
Was ist denn nun genau mit dieser „gewaltfreien“ Kommunikation gemeint? Ich glaube, es geht nicht um Gewalt, wie wir sie in der alltäglichen, konkreten Bedeutung verstehen.
Isolde Teschner:
Es geht um Sensibilisierung für das, was wir mit Worten anrichten. Wir können durch Worte Fenster öffnen oder Mauern errichten. Es geht darum, wie wir durch Worte andere verletzen. Wir erleben es ja immer wieder, wie Menschen einander verletzen und wie Beziehungen dadurch belastet oder gar beendet werden. Obwohl nur 20 Prozent der Kommunikation verbal erfolgt, kommt der Sprache eine riesengroße Bedeutung zu. In den Übungen der GFK konzentrieren wir uns darauf, was durch Sprache geschieht.
OEW:
Dabei geht es vor allem auch darum, von Bewertung weg und hin zu den Bedürfnissen der Menschen zu velangen.
Isolde Teschner:

Genau. GFK ist zwar nicht nur eine Methode, sondern vor allem auch eine Haltung, dennoch gibt es eine gewisse Struktur: In der GFK werden vier Schritte unterschieden.

Der erste Schritt ist die Beobachtung, welche von der Bewertung zu trennen ist. Wir sind uns oft gar nicht bewusst, wie viel Bewertung in all unseren Aussagen steckt. Auch wenn wir glauben, ganz neutral und objektiv zu sein, schwingen viele Bewertungen mit. Wenn sich aber jemand bewertet fühlt, dann geht er auf Distanz und lehnt das Gespräch ab oder rechtfertigt sich. Dadurch aber entsteht ein Schlagabtausch, der ein wirkliches Gespräch unmöglich macht.

Beim zweiten Schritt gilt es, meine Gefühle in einer bestimmten Situation auszudrücken. Da bemerkt man, wie wenig wir den Wortschatz der Gefühle benützen. Wir haben Angst davor, uns zu exponieren und verwundbar zu machen.

Der dritte Schritt ist das Wahrnehmen unserer Bedürfnisse. Alle Menschen haben grundsätzlich dieselben Bedürfnisse – man kann sie in neun Grundbedürfnisse einteilen -, die dann, je nach Kultur usw., unterschiedlich geprägt sind. Diese gemeinsamen Bedürfnisse sind es, die uns Menschen alle miteinander verbinden. Es gilt, diese Bedürfnisse bei sich und beim anderen wahrzunehmen und auszudrücken.

Der letzte Schritt ist die Bitte, das heisst die Konkretisierung unseres Bedürfnisses.

Diese vier Schritte verwenden wir, um auszudrücken, wie es uns geht und was wir brauchen, aber auch um wahrzunehmen, was beim anderen los ist. Das nennen wir dann die Einfühlung: Wir reagieren auf aggressive Äußerungen des anderen nicht, indem wir ebenso aggressiv sind, sondern wir versuchen herauszufinden, was beim anderen an Gefühlen und Bedürfnissen da ist.

Das erste, was die Leute sagen, wenn sie von diesen vier Schritten hören, ist, wie einfach das ist. Das zweite, was sie sagen ist, wie schwierig das ist. Wir sind es eben nicht gewohnt, gewaltfrei zu kommunizieren. Das hängt auch mit den Machstrukturen zusammen, in denen wir alle erzogen wurden und in denen wir leben.
OEW:
Können Sie diese vier Schritte an einem Beispiel veranschaulichen?
Isolde Teschner:

Was immer wieder bei Eltern ein Thema ist, das ist die Unordnung der Kinder: Wie kann ich reden, wenn ich in das Zimmer meines Sohnes komme und da ist ein Riesen-Durcheinander? Am liebsten würde ich dann sagen: „Räum endlich auf, du Schlamper!“ Aber wenn ich das so sage, dann kommt meistens die Antwort: „Reg dich nicht so auf, das ist mein Zimmer!“ Wie kann ich nun herausfinden, was in mir geschieht, wenn ich in das Zimmer gehe? Wie geht es mir dabei? Was habe ich für ein Bedürfnis?

Nach der GFK gehe ich nun also in das Zimmer und sage, was ich beobachte. Ich sage nicht: „Hier ist Unordnung“, denn das wäre schon Bewertung. Ich sage also zum Beispiel: „Hier liegen Kleidungsstücke am Boden“. Wie fühle ich mich nun, wenn ich das sehe? Meistens sagen die Eltern: „Ich ärgere mich“. Ärger ist aber eigentlich kein richtiges Gefühl, es entsteht sekundär, indem mein Kopf mir sagt, was ich gerade nicht bekomme. Das eigentliche Gefühl ist ein Unbehagen, und was meiner Ansicht nach dahinter steht, ist nicht so sehr ein Bedürfnis nach Ordnung, sondern Ordnung ist eher eine Strategie, um mein Bedürfnis nach Schönheit, Klarheit und Übersicht zu erfüllen.

Nun folgt die Bitte: „Wärst du bereit, deine Sachen in den Schrank zu räumen?“ Ich kann darauf natürlich die Antwort bekommen: „Nein, jetzt hab ich keine Zeit, ich mach’s morgen“. Dann sage ich: „Ok, wenn du mir versprichst, dass du’s morgen machst, geht das in Ordnung“.

Ich kann mich jetzt aber noch fragen: Was ist bei ihm los? Wie fühlt er sich, wenn er von mir diese Bitte hört? Was braucht er? In erster Linie braucht er wohl Selbstbestimmung. Wenn wir das dem anderen auch sagen: „Nicht wahr, du möchtest selbst bestimmen, wann du das machst?“, dann entsteht eine ganz andere Atmosphäre und die Beziehung wird besser oder verschlechtert sich zumindest nicht, was hingegen bei einer Forderung oft der Fall ist.

Forderungen werden oft mit Widerstand und Ablehnung beantwortet und sind grundsätzlich von Bitten zu unterscheiden. Eine Bitte ist nur dann eine echte Bitte, wenn der andere auch tatsächlich die Freiheit hat, sie mit „nein“ zu beantworten und sie nicht aus Schuld- oder Schamgefühlen beziehungsweise aus Angst erfüllt.

Gewaltfrei kommunizieren heißt: Ich erfülle Bitten, weil ich gerne das Leben eines anderen Menschen bereichern möchte. Oder ich möchte, dass Menschen meine Bitten erfüllen, um mein Leben zu bereichern. Forderungen hingegen implizieren meistens Gewalt, weil wir oft unausgesprochen mit Angst, Schuldzuweisung, Beschämung und anderes drohen, falls man/frau sich unserer Forderung nicht fügen sollte.
OEW:
Zwei Punkte haben mich bei der Lektüre des Buches (M. B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation) aufhorchen lassen, weil sie stark von unserer gewohnten Verhaltensweise abweichen: 1. Die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen und 2. Keine Werturteile auszusprechen.
Isolde Teschner:

Im Allgemeinen fragen wir uns nicht, wie es Menschen geht, sondern wir fragen: Was sind Menschen? Menschen sind rücksichtslos, verantwortungslos und so weiter. Marshall sagt: „Je mehr wir sagen, wie Menschen sind, desto mehr tragen wir zur Gewalt in der Welt bei.“ Es geht in Wirklichkeit darum, was jemand tut und was er braucht. Es ist aber gar nicht einfach, von diesem Etikettieren wegzukommen.

Die Haltung Marshalls ist unserer gewohnten radikal entgegengesetzt, und daher behandle ich dieses Thema in meinen Seminaren auch erst, wenn sich schon ein gewisses Verständnis entwickelt hat.

Beim ersten Punkt geht es darum, Gefühle so auszudrücken, dass sich der andere nicht schuldig fühlt. Hinter jedem Gefühl steht ein erfülltes oder ein unerfülltes Bedürfnis, das heißt der andere ist nicht die Ursache meines Gefühls, sondern der Anlass. Die Ursache ist mein Bedürfnis, das in mir ist. Ich sage also nicht: Ich fühle mich ausgenutzt/ missverstanden/ … oder: das macht mich wütend, sondern: Wenn ich sehe, dass … fühle ich mich enttäuscht/ traurig, und so weiter.
OEW:
Können Sie auf den Begriff der Einfühlung, der in der GFK eine zentrale Rolle spielt, noch näher eingehen?
Isolde Teschner:

Einfühlung heißt, sich keine Vorstellungen vom anderen zu machen, sich ganz auf seine Seite zu stellen und sich selbst ganz herauszunehmen. Leider passiert es uns sehr oft, dass wir zu unserer Position zurückkehren: „Ja, ich versteh dich gut“, „das wird schon wieder“ und so weiter. Wir geben Erklärungen, Belehrungen, Trost, bieten oft allzu rasch Lösungen an, was einer Gewaltanwendung nahe kommt, und zwar, wenn der andere noch ganz mit seinen Gefühlen beschäftigt ist und noch nicht bereit ist, Lösungsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Es ist zum Beispiel eine große Herausforderung, keine Ratschläge zu geben, sondern nur das wahrzunehmen, was beim anderen an Gefühlen und Bedürfnissen da ist. Das kann ich aber nur, wenn ich auch wirklich diese Kraft in mir spüre. Oft ist es so, dass ich selber Einfühlung brauche, von jemand anderem oder auch von mir selbst. Natürlich kann es aber auch sein, dass jemand wirklich um einen Ratschlag bittet.

Einfühlung verändert die Stimmung radikal. Einfühlung ist Verbindung zum andern und stellt einen Energiefluss von beiden Seiten her. Ich gebe nicht nur, sondern ich bekomme auch.

Bei der GFK geht es um die Qualität der Beziehung. Es geht nicht in erster Linie um Lösungen, sondern um den Prozess. Daraus können sich natürlich Lösungen ergeben.
OEW:
Wie kann ich von mir selbst Einfühlung bekommen?
Isolde Teschner:
Einfühlung von mir selbst bedeutet, mich mit meinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu verbinden. Das führt zu einer Klärung und Erleichterung. Ob ich mich dann der anderen Person mitteile, ist eine andere Frage.
OEW:
Was hat Rosenberg selbst dazu bewogen, dieses Modell zu entwickeln?
Isolde Teschner:

Marshall ist in Detroit in einer gewalttätigen Umgebung aufgewachsen, hat viel von den Rassenunruhen mitgekriegt und wurde auf Grund seines jüdischen Namens auch selbst diskriminiert und verfolgt. Andererseits hat er auch sehr positive Erfahrungen gemacht und Menschen erlebt, die diese ursprüngliche Bereitschaft, sich mit anderen zu verbinden, nicht verloren haben. Das hat ihn ermutigt, die GFK zu entwickeln.

Er arbeitete zunächst als Psychologe, hat dann aber seine Arbeit in der Klinik und auch seine eigene Praxis aufgegeben, um sich ganz seiner Arbeit als Mediator und Konflikttrainer zu widmen. Er kam nicht damit zurecht, dass in der Psychotherapie und in der Psychiatrie immer mit Diagnosen gearbeitet wird, dass also Menschen als schizophren, depressiv und so weiter eingestuft werden und dann auch als solche behandelt werden, und dass wenig über das Gespräch mit dem Einzelnen geschieht.

Er hat sich damals auf ein unsicheres Terrain begeben, hat seine gesicherten Einkünfte aufgegeben und musste auch eine Weile Taxi fahren. Das ist eigentlich das, was mich am meisten an ihm beeindruckt hat, denn er hatte ja auch Familie.
OEW:
Auch was den Beruf anbelangt, vertritt er eine radikale Haltung, denn er sagt ja, man soll nur das tun, was man auch mit Freude und Lust tun kann.
Isolde Teschner:
Er sagt zum Beispiel auch: Nie für Geld arbeiten. Das ist natürlich provokativ und für manche gar nicht umsetzbar. Nicht jeder hat die Möglichkeit, seinen Verdienst aufzugeben, aber es gibt einen Kern dahinter, den jeder bejahen kann.
OEW:
Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Marlene Mussner

Kelly Bryson erklärt die vier Ohren

Der Ton ist nicht gerade perfekt, aber ich finde, man kann ihn verstehen. Kelly Bryson ist der Autor des Buchs „Sei nicht nett, sei echt“, und ich finde ihn echt witzig!

Y.

Ich gratuliere Dir…

Ich mag die CD von Pascal Gentner. Das Lied hier spricht mir aus der Seele. Er nennt doch gute Gründe zum Feiern, oder?

So long!

Ysabelle

Begegnung fördern – von Liv Larsson

Larsson, Liv
Begegnung fördern
Mit Gewaltfreier Kommunikation vermitteln. Mediation in Theorie und Praxis
Originaltitel: Skapa möten och kontakt genom medling

1. Auflage, 2009.11.26
272 Seiten, Kartoniert
Format: 17.0 x 24.0cm
ISBN: 3-87387-724-4
ISBN 13: 978-3-87387-724-5

24,00 EUR

Der Verlag schreibt dazu:

Hatten Sie schon häufiger den Wunsch, in Konflikten dazu beitragen zu können, dass Menschen wieder miteinander in Verbindung kommen? Egal ob Sie es mit streitenden Kindern oder Erwachsenen, mit Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz oder in Familien zu tun haben: Dieses Buch hilft Ihnen, Begegnung und Verbindung zwischen Menschen zu fördern. Es enthält sowohl Gedanken zu Themen wie Rache, Vergebung und Versöhnung als auch praktische Übungen, um sich auf eine Mediation zwischen Individuen oder in Gruppen vorzubereiten. Zu oft wird versucht, im Konfliktfall mit Gewalt eine Lösung herbeizuführen. In anderen Fällen wieder wird ein Konflikt unter den Teppich gekehrt und die Beteiligten tun so, als gäbe es gar keine Streitigkeiten. Liv Larsson beleuchtet Strukturen, die auf die Beherrschung anderer abzielen und gibt dem Leser Werkzeuge an die Hand, um lebensdienliche Systeme zu erschaffen. Hierfür sind ganz praktische und vor allem erlernbare Fertigkeiten vonnöten, die der Leser sich mithilfe der im Buch vorgestellten Übungen aneignen kann.

Inhalt

1. Mediation
Was ist Mediation?
Wie unser Menschenbild unsere Mediationskompetenz beeinflusst
Ein Menschenbild, das sich auf Bedürfnisse gründet
Was ist nötig, damit Mediation ein natürlicher Teil unserer Kultur wird?

2. Der Traum von einer konfliktfreien Welt
Konflikt – Krise oder Chance?
Übliche Sichtweise auf Konflikte in Dominanzstrukturen
Übliche Sichtweise auf Konflikte in lebensbereichernden, partnerschaftlichen Strukturen
Der Unterschied zwischen Dominanzstrukturen und lebensbereichernden, partnerschaftlichen Strukturen
Win-Win oder Nullsummenspiel?

3. Sich einmischen
Ohne Einladung vermitteln
Wenn der Mediator nicht angenommen wird
Zivilcourage oder respektvolle Besserwisserei?
Passivität fördert Gewalt
Passivität und Gehorsam

4. Von süßer Rache und Gesichtsverlust
Was macht Rache eigentlich süß?
Rache und Vergebung – zwei Seiten derselben Medaille
Einfühlung anstelle von „Bitte entschuldige“
Wie man mithilfe der GFK um Entschuldigung bittet
Herauskristallisieren, worum es Menschen bei Mediation, Rache und Vergebung wirklich geht
Tun Sie niemals etwas aus der Motivation heraus, Schuldgefühle oder Scham zu vermeiden!

5. Gewaltfreie Kommunikation als Haltung in der Mediation
Gewaltfreie Kommunikation
Konflikte finden auf der Ebene der Strategien und nicht auf der Ebene der Bedürfnisse statt
Empathie (Einfühlung)
Exakt wiedergeben, was jemand gesagt hat
Die perfekte Konfliktlösung
Kompromiss oder innere Wandlung?
Körpersprache, die zu den Worten passt

6. Die „Werkzeugkiste“
Werkzeuge, die in der Mediation eingesetzt werden
1. Hören, übersetzen und wiedergeben, was gesagt wird
2. Jemanden „am Ohr ziehen“ – den Parteien helfen, einander zu hören
3. Unterbrechen
4. Erste-Hilfe-Empathie
5. Selbsteinfühlung – sich als Mediator selbst empathisch begegnen
6. Den Mediationsprozess beobachten und steuern

7. Übung Übung Übung
Machen Sie sich fit fürs Mediieren
Bedürfnisse des Mediators: Nutzen und Stolperfallen
Aussagen übersetzen, die die Verbindung gefährden

8. Formelle Mediation
Auf Anfrage vermitteln
Vorgespräche mit den Konfliktparteien
Die Vorbereitung des Mediators
Freiwilligkeit – Voraussetzung für eine gelungene Mediation
Der neutrale Vermittler
Mediation Schritt für Schritt

9. Herausforderungen und Möglichkeiten
Mediationsvarianten
1. Wenn keine der beiden Parteien der anderen zuhören will
2. Verschiedene Räume
3. Kommunikation über den Mediator
4. Rollenspiele
5. Wenn ein direktes Gespräch nicht möglich ist: mit Aufnahmen von Rollenspielen arbeiten
6. Bedrohliche Situationen
7. Der Mediator in seiner Menschlichkeit
Mediation als Teil eines Prozesses oder als losgelöstes Einzelereignis?
Es geht nicht darum, es „richtig“ zu machen
Mediation in Arbeitsgruppen und Teams
Wertschätzung – vorbeugender Umgang mit Konflikten
Konflikte kosten Geld
Eskalation und Deeskalation
Aus Fehlern lernen

10. Mediation zwischen Kindern
Zwischen Kindern vermitteln
Wenn der Erwachsene zuhört und beide Seiten zu verstehen versucht
Wenn der Erwachsene sich entscheidet, Partei zu ergreifen, kann Folgendes geschehen
Wenn der Erwachsene sich entscheidet, nicht einzugreifen
Wenn der Erwachsene den Konflikt beendet, anstatt zu vermitteln zu versuchen
Wenn der Erwachsene vergleicht
Eingreifen, um zu schützen, anstatt zu bestrafen
Wenn der Erwachsene mithilfe von Strafe zu vermitteln versucht

Liv Larsson, zertifizierte GFK-Trainerin und leidenschaftliche Mediatorin, arbeitet in vielen Ländern der Welt, unter anderem in Thailand, wo sie GFK-Trainer und Mediatoren ausbildet. Es ist ihr ein besonderes Anliegen, Mediation im Kontext eines gesellschaftlichen Wandels, hin zu lebensdienlicheren Strukturen, zu sehen.

[http://www.junfermann.de/details.php/p_id/381524674?ojid=4b49167d15e5befe7384a9bd493d52f7

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