Ich hätte gern ein Paar Giraffenohren!

Unterwegs mit gewaltfreier Kommunikation – von Ysabelle Wolfe

Dankbarkeit 25.12.2017

Hallo, Welt!
Ich lebe wieder! Heute habe ich voller Genuss durch die Reiseseiten im Internet „geblättert“. Ich brauche Urlaub. Und ich werde Urlaub haben! Bei den Hurtigruten gibt es eine Zeitschiene, wo man als Single keinen Aufschlag für die Kabine zahlen muss. Da werde ich gleich ganz unruhig und kratze mit den Hufen.
Das Familien-Fest habe ich relativ unbeschadet überstanden und morgen werde ich auch die Geschenke auspacken, die hier in den vergangenen Tagen gelandet sind. Bisher gab es dafür noch keine Energie. In diesen Tagen ist mir meine Mutter so nah – oh, ich fürchte, ich wiederhole mich. Jedenfalls spüre ich eine tiefe Dankbarkeit für alles Gute, das ich in ihren letzten Lebensjahren von ihr entgegen nehmen durfte.
Dankbar bin ich auch, dass der 24.12. „unfallfrei“ über die Bühne gegangen ist. Keine familiären Katastrophen, kaum Schreierei und ein friedliches Miteinander.
Dankbar bin ich auch dem Adventskalender-Team um Torsten Hardiess. Florian hat dafür gesorgt, dass die Geschichte, die ich geschrieben habe, von einem wunderbaren Sprecher eingelesen wurde. Ich hatte Gänsehaut beim Zuhören. Eine tolle Überraschung!
Heute bin ich mir dankbar, dass ich kochen kann. Ich mache es nur noch selten, für mich allein finde ich es mühsam. Aber heute habe ich mir die Reste des Puters vorgenommen, den wir gestern als Festtagsbraten hatten. Es war noch so viel Fleisch da! Jetzt badet es in einer leckeren Sauce, an der nur noch ein Schuss Sahne fehlt, im Tiefkühler. Wenn demnächst Besuch kommt, brauche ich es nur rauszuholen und aufzuwärmen. Für Morgen ist auch noch eine Portion da.
Dankbar bin ich auch, dass Fontane inzwischen mehrmals auf den trainierten Rückruf reagiert hat. Selbst heute, als er mit einem jungen Boxer spielen wollte, kam er auf bei „Aloha“ quer durch den Park angerannt. Ich bin so stolz auf ihn!
Dankbar bin ich auch für die Nachrichten. Gefühlt immer zu Weihnachten häufen sich die furchtbaren Meldungen. Diesmal hat ein Erdrutsch ein Tal abgeschnitten, aber niemand wurde verletzt, ein Bus raste eine Treppe runter, aber es war kein Terroranschlag, sondern technisches Versagen. Ich wünsche allen Menschen auf der Erde Weihnachtsruhe in Frieden und genug zu essen. Und ich bin dankbar, dass Morgen noch keine Arbeit auf dem Plan steht.

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 23.12.2017

Hallo, Welt!
Die Post scheint dieses Jahr ein echtes Thema für mich zu sein. Gestern holte ich aus dem Briefkasten eine Traueranzeige. Mein Nachbar von gegenüber ist gestorben, vier Tage vor Weihnachten. Er wurde 86 Jahre alt. Die Trauerfeier findet am kommenden Donnerstag statt. Ich finde es fies, über die Feiertage einen Angehörigen im Kühlhaus zu haben, aber so ist das Leben.

Vor ein paar Tagen hatte ich im Blumengeschäft einen Strauß für das Grab meiner Mutter vorbestellt. Vorhin bin ich schnell vorbeigegangen, um die Blumen abzuholen. Als meine Lieblings-Floristin die Tulpen aus dem Wasser zog, brach ich mitten im vollen Laden in Tränen aus. Solange ich denken kann, gab es in meiner Familie zu Weihnachten die ersten Tulpen. Das hier war der letzte Weihnachtsstrauß, den meine Mutter 2014 bekommen hat. Seither bringe ich die Tulpen zu ihr ans Grab. Ich bin so dankbar, dass der Verlauf ihrer Krankheit es uns ermöglicht hat, all unsere alten Konflikte zu beenden und uns wieder in Liebe zu verbinden. Das ist eines der Dinge, für die ich in meinem Leben am meisten dankbar bin. Wir haben nichts unter den Teppich gekehrt oder zugekleistert und konnten uns trotzdem ganz neu einander zuwenden.

Meine Weihnachtsbriefe habe ich tatsächlich rausgekriegt. Im Nachhinein fielen mir noch ein paar Herzensmenschen ein, deren Karte nun erst gestern in die Post ging, aber Berlin und Hamburg haben schon Rückmeldung gegeben, dass die Post angekommen ist. Eine Rückmeldung kam per Whatsapp:

Hallo Claudia, dein Märchen ist sehr schön, mir sind nach der Lektüre noch einige Lichter ausgegangen?

Das ist ja mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte.
Gestern hatte ich ein aufwühlendes Telefonat mit meiner Freundin Lorna. Danach fühlte ich mich 15 Kilo leichter. Das erste Mal seit einer klinen Ewigkeit habe ich mich ganz entspannt und ohne Druck wahrgenommen. Die Aussicht, mit Montag und Dienstag zwei freie Tage zu haben, stimmt mich zufrieden und dankbar. Die Schneiderin konnte Fontanes Wintermantel retten und hat ihn für acht Euro repariert. Ich habe so viele Gründe zu feiern! Heute Morgen waren wir zusammen im Park. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, ihn dort nicht mehr frei laufen zu lassen, habe ich ihn zwischendurch von der Leine genommen. Wir trainieren zurzeit für den doppelten Rückruf. Und drei Mal ist Fontane auf mein geschmettertes „Aloha“ mit der süßesten Stimme der Welt zu mir zurückgekommen und überschwänglich gelobt und belohnt worden. Dafür hebe ich jetzt extra die Leberwurst-Leckerlis auf, die er so liebt …

Nun also heute noch zum Friedhof und die Fischplatte abholen, Morgen diesen Puter zubereiten und das Familienfest hinter mich bringen, und dann ein bisschen Zeit für mich … und Fontane … ein guter Plan für die Feiertage!

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 21.12.2017

Hallo, Welt!

Gerade bin ich über ein Filmchen gestolpert, in dem gezeigt wird, wie die Kauknochen für Hunde hergestellt werden. Ich schwöre, so was kommt mir nie wieder ins Haus. Dann kann ich Fontane ja gleich den Inhalt der Hausapotheke vermischt mit sämtlichen Badreinigern und abgeschmeckt mit Pflanzendünger eintrichtern. Gruselig! Ich bin den Leuten, die über solche Sachen aufklären, echt dankbar!

Gestern hat mal wieder die Kraft nicht gereicht, um noch einen Blogbeitrag zu schreiben. Ich hatte Dienst im Shop und während ich im Lager war, wurde hier zu Hause endlich der Weihnachtsgruß aus der Druckerei angeliefert, der am 15.12. eintreffen sollte. Voll genervt habe ich ab 19.00 Uhr die vorbereiteten Umschläge bestückt und bin um 20.30 Uhr die 25 km nach Haferflockenhausen gefahren, um die Post dort in den Nachtbriefkasten zu bringen. Als ich vor der gelben Kiste stand, sank meine Stimmung in den Keller. Letzte Leerung 20 Uhr. Nächste Leerung 15.30 Uhr. Und dafür diesen ganzen Aufriss! Ich war erst nach 22 Uhr zu Hause, restlos erschöpft. Die Fahrt hätte ich mir sparen können.

Heute Abend bekam ich eine Whatsapp-Nachricht von einem alten Freund, der hinter Hamburg wohnt. Oh Wunder! Er bedankte sich für den Weihnachtsgruß von mir. Huch! Da hat wohl vorige Nacht ein Heinzelmännchen ein Einsehen gehabt und den Briefkasten außerplanmäßig geleert. Danke, liebes Heinzelmännchen!

Heute Abend nun fand die Weihnachtsfeier meiner GFK-Übungsgruppe statt, die in der vorigen Woche wegen meiner Erkältung ausfallen musste. Wir haben sehr lecker gegessen und drei Stunden in sehr netter Runde verbracht. Wir haben diese Vertellis gespielt, von denen ich neulich schon berichtet hatte, und so war unser Tischgespräch alles andere als banal und gleichzeitig kurzweilig.

Morgen wird noch mal besonders stressvoll und an Heiligabend mag ich gar nicht denken. Blöderweise habe ich „hier“ geschrien, als es darum ging, die Aufgaben für den Weihnachtsabend zu verteilen. Jetzt bin ich dran, den Puter zu füllen und zu braten und für die Fischplatte als Vorspeise sorge ich auch noch. Blöde Idee. Aber danach habe ich zwei Tage „frei“, bis es dann wieder in die Tretmühle geht. Hoffentlich hat sich bis dahin die Erkältung verabschiedet. Ich bin es leid, lauter zu bellen als mein Hund.

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 18.12.2017

Hallo, Welt!
Gestern hatten wir Firmenweihnachtsfeier und als wir zurück kamen, war ich so erschöpft, dass es kräftemäßig nicht mehr für eine Dankbarkeitsmeditation gereicht hat. Wir haben ein schönes gemeinsames Essen genossen, waren anschließend im Theater und haben uns schimmelig gelacht. Diesen Teil unseres gemeinsamen Ausflugs habe ich sehr genossen. Andere Sachen waren weniger als wunderbar. Aber darüber gucke ich heute hinweg.

Frustriert warte ich auf ein Weihnachtsgeschenk aus der Druckerei. Es sollte am 15.12. hier sein, bis jetzt ist es noch nicht mal aus der Produktionsabteilung raus. Wie kann ich daraus noch Dankbarkeit quetschen? Mir fällt gerade nichts ein.

Ein handgeschriebener Weihnachtsbrief von mir liegt neben mir. Er geht an meinen Freund Michael in London. Und rechts neben mir liegt ein Stapel Weihnachtsbriefe mit einem Mini-Jahresrückblick. Nicht handgeschrieben, aber trotzdem von Herzen. Ich möchte damit denjenigen meine Wertschätzung ausdrücken, die mich durchs Jahr begleitet haben. Da ich noch längst nicht fit bin, dachte ich, ich nutze die Zeit, in der ich nicht arbeitsfähig sind, für etwas Schönes. Und die Rückschau auf schöne Dinge macht ja auch dankbar.

Ihr sucht noch einen Spieltipp für die bevorstehenden Feiertage? Eine meiner Mitarbeiterinnen brachte zu unserer Weihnachtsfeier die neuen Vertellis-Karten mit. Während wir auf das Essen gewartet haben, haben wir uns durch die Karten gequatscht und waren alle sehr angetan. Also auch ein Stück Dankbarkeit für dieses Erlebnis.

Wer mich zurzeit anrufen will, spricht bitte besonders laut mit mir. Ich habe den Eindruck, mein Gehör ist flöten gegangen. Denn die Nachrichten im Fernsehen laufen gerade auf doppelter Lautstärke. Hat auch seine Vorteile, dann höre ich den Hund nicht bellen, wenn der Postbote klingelt …

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 16.12.2017

Hallo, Welt!
Ein Tag, der es in sich hatte, liegt hinter mir. Bis auf einen Mittagsschlaf war ich wieder auf den Beinen, aber ich merke schon, dass das noch recht wackelig ist. Weil ich wusste, dass ich einen langen Abendtermin hatte, habe ich mir mittags viel Zeit mit Fontane genommen. Er hat nun auch noch seinen letzten Ball verspielt und ohne vorheriges Kommando einen unsichtbar versteckten Futterbeutel gefunden. Nach über einer Stunde auf der Docke zog es mich dann Richtung Bett. Wie so oft begleitete er mich ohne Leine Richtung Deichtor. Und dann …
… sah ich links von mir zwei Menschen und einen kleinen Hund, Format Jack Russell. Fontane löste sich von mir und lief rüber zu den Leuten. Ich kriege die Reihenfolge nicht mehr sortiert, ich glaube, deren Hund war erst frei und wurde dann angeleint und dann noch mal wieder freigemacht, um wieder angeleint zu werden. Das würde ich aber so nicht beschwören.
Die Leute riefen mir zu, „ist das ein Rüde?“, und als ich bejahte, sagten sie, „oh, unsere Hündin wird demnächst läufig.“ Ich ging weiter durch das Gatter den geteerten Weg zur Deichkrone hoch und rief den Leuten sinngemäß zu, „der Hund ist sehr auf mich fixiert, wenn er sieht, dass ich weggehe, kommt er nach.“ Mir war total klar, dass es überhaupt keinen Sinn hatte, Fontane jagen zu wollen. Das hätte er nur für ein tolles neues Spiel gehalten.
Als ich immer noch rufend über die Deichkrone verschwand, Leckerli in der Hand für den Rückkehrer, kam Fontane tatsächlich angeschossen, aber bevor ich ihn auch nur greifen konnte, hatte er sich das Leckerli geschnappt und rannte den Weg zurück zu dem Hundemädchen. Dann hörte ich die Leute unten rufen/schreien, und dachte, da gehste besser mal schnell hin. Schon auf 50 Meter Entfernung wurde ich lautstark „angefeuert“, mich schneller zu bewegen. Ich möchte dazu sagen, es gab für keinen der Beteiligten zu keinem Zeitpunkt eine echte Gefahr. Weder hatte Fontane versucht, jemanden zu beißen noch war er aufgeritten, zumal die Leute die kleine Hündin zwischendurch immer auf den Arm nahmen. Da tobte ein junger Hund begeistert um eine Hündin herum, die „demnächst“ läufig werden würde.
Die Beschimpfungen des Mannes wurden heftiger und in seiner Wut versuchte er ständig, Fontane zu treten. Als wir nur noch etwa fünf Meter voneinander entfernt waren, gelang es mir mit ruhiger Stimme zu sagen: „Ich möchte Sie bitten, nicht mehr nach dem Hund zu treten. Mir ist klar, dass Sie in Sorge um Ihre Hündin sind, aber bitte treten Sie nicht mehr nach meinem Hund.“ Den folgende Wortschwall mit einem Mix aus „asozial“ „unverantwortlich“ und ähnlichen Attributen konnte ich besser ertragen als seine Versuche, mit Fontane zu kicken. Zum Glück war der Hund viel schneller als der Mann.
Es gelang der Frau und mir, die kleine Hündin als „Lockmittel“ zu benutzen, Fontane heranzulotsen und ihm die Leine anzulegen. Dann trennten sich unsere Wege. Der Mann schimpfte nach wie vor in meine Richtung. Ich rief ihm zu (völlig überflüssig, ich weiß!), „Der Hund geht in die Hundeschule, aber er ist noch zu kein, um das zu können. Er ist erst anderthalb!“. Ich erinnere noch zwei Sätze von der Frau, „kannst du jetzt mal aufhören“ und „können wir jetzt mal in Ruhe weiter gehen“. Fontane war von allem total unbeeindruckt, aber ich war so fertig, dass ich anschließend erst mal meinem Hunde-Coach Marion in den Telefonhörer weinen musste.
Wofür bin ich dankbar? Dass ich auch in dieser für mich wirklich belastenden und beängstigenden Situation in der Lage war, den Mann empathisch anzusprechen und seine Besorgnis um die eigene Hündin zu sehen, die ihn dazu brachte, sich so zu verhalten. Ich habe mich wirklich durchgängig in „der Haltung“ wahrgenommen, trotz meiner Not.

Zum Zweiten möchte ich den Beistand feiern, den ich durch Marion hatte. Zumindest konnte sie meine Aufregung und meine Besorgnis nachvollziehen, auch wenn Schimpfen auf einen der Protagonisten nicht mehr das ist, was MICH wirklich ent-lastet. Aber es ist wunderbar, jemanden anrufen zu dürfen und für das eigene Verhalten Wohlwollen zu finden. Ein „was lässt du ihn auch ohne Leine laufen“ hätte die Situation nicht besser gemacht. Wir sind jetzt zum Rückruf-Training verabredet.

Achtung, Vegetarier und Veganer, wegsehen!
Nach diesem Stress bin ich ins Bett gekippt und habe mir einen Wecker gestellt, denn abends stand noch eine Veranstaltung bevor. Meine langjährigen Tageseltern hatten zur Feier ihrer Goldenen Hochzeit eingeladen. Die Tische bogen sich auf norddeutsche Art. Hochzeitssuppe, viererlei Fleisch, Rotkohl, Roenkohl, frischer Blumenkohl mit brauner Butter, Erbsen- und Wurzelgemüse, Kartoffeln, Kroketten, braune Sauce, und hinterher noch Eis mit heißen Kirschen.

Es war tatsächlich eine Veranstaltung „in Familie“, zwei Töchter und Ehemänner, vier Enkel zwischen 17 und 24 mit ihren jeweiligen PartnerInnen und einige wenige alte Freunde. Und dazwischen: Mein Sohn, seine Frau und ich. Da war er auf einmal (wieder) genau so Kind wie vor 30 Jahren. Zwischendurch realisierte er, dass eine seiner Ziehschwestern demnächst Silberhochzeit feiern würde. „Jetzt fühle ich mich alt!“, meinte er entsetzt.

Einer der Schwiegersöhne unterhielt mich den ganzen Abend. Wir hatten uns annähernd 20 Jahre nicht gesehen. Erstaunlich, wie jemand den ganzen Abend erzählen kann, ohne einmal wirklich in Kontakt mit dem Gegenüber zu gehen. Nicht dass ich mich gelangweilt hätte. Aber auf Dauer finde ich Aussagen zu Autos, Hundeerziehung, Fahrleistungen und ähnliches doch ziemlich unverbindlich. Das mag seinen Sinn haben, ich hätte tatsächlich gern mehr von meinem Gegenüber erfahren. Kurze Blitzer gab es, aber vielleicht war auch die Situation am Tisch nicht allerbestens geeignet, um tiefer zu gehen …

Ich bin heute dankbar für dieses mühelose Anknüpfen an Familienbande. Wir gehörten wirklich dazu, und das fühlte sich wunderbar an. In einer Zeit, in der sich meine eigene Familie mehr und mehr dezimiert, habe ich dieses Eintauchen in drei intakte Ehen, vier „gelungene“ Kinder und das freundliche herzliche Miteinander inklusive schiefem Ständchen und Ehrentanz für das Jubelpaar zutiefst genossen.

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 15.12.2017

Hallo, Welt!
Es gibt Momente, da fällt es mir so sauschwer, dankbar zu sein. Gerade läuft in der Außenwelt mal wieder so viel schief und am liebsten würde ich mich auf den Boden schmeißen und mit den Fäusten trommeln. Schuld sind natürlich immer die anderen und ich kann ja gar nichts dafür … Leider bin ich noch immer so schlapp und erschöpft, dass die Kraft nicht reicht, um auf den Boden zu trommeln. Doof, nicht mal das klappt.

Person A erledigt einen Auftrag, das Ergebnis gefällt mir nicht. Ich kontaktiere A mit der Bitte um ein Videogespräch. Als Antwort kriege ich den geplanten Tagesablauf von A mit der Option, JETZT ein Autotelefonat zu führen. Das passt für mich nicht, da ich die Ablenkung durch das Autofahren bzw. die Verkehrsgefährdung durch die Ablenkung durchs Telefonieren nicht will. Ich melde also zurück: Ich schlaf dann erst mal. Es kommt keine weitere Kontaktaufnahme, keine Rückkehr zum Thema, nix. Ich frage also nach und erhalte die Info, Person A ist auf der Autobahn auf dem Weg nach Takatukaland, wo weder ein geeigneter Rechner noch das passende Programm zur Verfügung steht, um das angesprochene Problem zu lösen. Arrrgggggghhhhh …. Unerfüllte Bedürfnisse: Respekt, Wertschätzung, Verbindung, Sicherheit, Gesehen werden, so was wie Vertragstreue. Mist, steht wieder in keiner GFK-Liste. Also: Sicherheit, mich auf den anderen verlassen können.

Person B erledigt eine klar umrissene Aufgabe. Schicke Produkt XXXX an Kunden &$. Gestern abend ruft mich der Kunde an. Das Produkt besteht aus vier Teilen, der hat nur zwei bekommen.

Noch Fragen? Unerfüllte Bedürfnisse: Sicherheit, Vertrauen.

Eine Bestellung kommt rein. Ein Kunde möchte drei mal das gleiche Produkt. Da fällt Person F auf, nanu, das Produkt ist ja gar nicht mehr da! Zitat:

Ich hab sehenden Auges den Schwund zugelassen, ist mir durchgerutscht, ?dachte immer, das wär so selten..

Ich kann die Liste der Pannen und Missglücke fortsetzen, das bringt nur keinem was. In hierarchischen Systemen, zum Beispiel in meiner Ursprungsfamilie, wäre ich als „Täterin“ jetzt einfach zusammengebrüllt worden, je nach Schwere des Vergehens auch verprügelt. Das war ja in den 50ern und 60ern durchaus üblich und ist ja bis heute nicht ganz aus der Mode gekommen. Im Berufsleben durften wir antreten und uns beim Chef einen Anschiss abholen. Mir dämmert gerade, welche Gefühle dabei in Chef oder Mutter lebendig waren: Ohnmacht und Hilflosigkeit, je nach Situation vielleicht auch noch Angst und Trauer. Das entspricht in etwa dem Gefühlscocktail, mit dem ich gerade unterwegs bin. Und es gibt diesen Impuls, anderen die Schuld zu geben. Du, Du, Du, Du …

Wie kann es sein, dass dieses Schuld-Dingsbums so verdammt tief in uns verankert ist? Dass die erste innere Reaktion auf diese unerwünschten Gefühle immer wieder der Zeigefinger auf den anderen ist … DER war’s! Mein Kollege Matthias Albers bezieht sich dabei gern auf Schamkultur und Schuldkultur:

Die Begriffe Schamkultur und Schuldkultur bezeichnen einander gegenübergestellte Konzepte, die Kulturen danach unterscheiden, ob diese sich eher äußerer (Scham) oder innerer (Schuld) Instanzen für den Umgang mit Fehlverhalten zur Konfliktregulierung bedienen. (Der Erfinderin) Ruth Benedict zufolge beruhen „Schamkulturen“ auf einer äußeren Instanz, welche Fehlverhalten sanktioniere. Schamgefühle entstünden als Reaktion auf Kritik oder Bloßstellung von außen. In einer „Schuldkultur“ sei dagegen diese Autorität verinnerlicht. Schuldgefühle entstehen im Selbst, welches sich in eine schuldige und eine beschuldigende Instanz aufspalte.

Diese Theorie soll umstritten sein, wieso, benennt der Wiki-Artikel nicht.
Also: Wir hier im Westen haben das Konzept von Schuld internalisiert.

Im „westlichen“ Denken schließe im Falle des Verstoßes gegen ein gültiges moralisches Gebot ein Schuld-Diskurs an. Im Falle des Verstoßes gegen ein gültiges moralisches Gebot oder gegen geltendes Recht werde eine Schuld der handelnden Person konstatiert, wenn sie das Gebot oder Gesetz kannte oder hätte kennen müssen und wenn es in ihrer Macht lag, das Gebot oder Gesetz zu befolgen. Der Schuldvorwurf gelte in moralischen und rechtlichen Kontexten als eine wesentliche Voraussetzung für die Zuschreibung von Verantwortung sowie für eine Bewertung des Handelns zum Beispiel durch Lob, Tadel, Belohnung oder Strafe.

Zurück zur Ausgangsfrage: Wofür bin ich dankbar?
Ich bin dankbar, dass ich mich heute anderen Menschen gegenüber nicht mehr in einen brüllenden Godzilla

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verwandeln muss sondern dass ich immer häufiger die Wahl habe, wie ich mich verhalten möchte. Ich kann Sachen ansprechen, die schief gelaufen sind, ohne auszurasten oder mich klein zu machen (Rebellion oder Unterwerfung). Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 14.12.2017

Hallo, Welt!
Sorry, ich bin krank, daher nicht so richtig dankbar. Den zweiten Tag ernähre mich mich jetzt von Hühnersuppe und habe alle Termine bis Samstagabend abgesagt. Zwischendurch geht es ganz gut, aber 20 Minuten Hundespaziergang reichen, um mich mit weichen Knien nach Hause taumeln zu lassen. Vom vielen Husten schmerzt das Zwerchfell und die Ohren piepen. Ich verkneife mir die Frage, womit ich das verdient habe.
Ist jemand unter Euch, der Fliederbeersaft richig gern mag? Ich kriege ihn runter, aber lecker geht anders. Dann schon lieber heißes Bier mit Zucker, ein altes Musikerrezept. Aber ich hab kein Bier im Haus und werde damit nach 12 Jahren auch nicht wieder anfangen. Irgendwie muss diese fiese Erkältung auch so weggehen.

Dankbar bin ich für meine Hausapotheke, die immer was für Erste Hilfe in solchen Fällen hergibt. Nasentropfen, Lutschtabletten geben Halsschmerzen und Brausetabletten-Schleimlöser. In den Tiefen der Arzneikiste schlummert mein Wundermittel: Paracetamol mit Codein. Ich glaube nicht, dass das heute noch frei verkäuflich wäre. Als Verfallsdatum ist auf der Flasche 2001 angegeben, aber was soll schon passieren mit trocken gelagertem Paracetamol? In manchen Sachen bin ich ja hart im Nehmen. Das gilt auch bei Eiern, die schon ziemlich lange im Kühlschrank lagern, oder Jogurt. Solange das Zeug nicht seltsam riecht oder seine Konsistenz verändert hat, esse ich es. Meist. Jedenfalls, wenn es mir so klöterig geht wie im Moment. Dann feiere ich meine Schätze und freue mich, nicht noch in die Apotheke wanken zu müssen. Vor allem am Wochenende und nachts!

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 12.12.2017

Hallo, Welt!
Neben mir liegt ein gelbes Briefchen. Innen liegend ein sehr unscharfes Foto und ein paar nette Zeilen. Eine Teilnehmerin eines Workshops im August bedankt sich für den Tag und die Dinge, die sie gelernt hat. Wow! Das wärmt mein Herz.

Leider liegt noch ein zweiter Brief auf meinem Schreibtisch. Ein ebenfalls ziemlich schlechtes Bild von mir ist darauf abgedruckt und mir wird mitgeteilt, ich sei statt der erlaubten 50 km/h 56 km/h gefahren. Man bietet mir 15 Euro Verwarngeld an. Da komme ich ja noch glimpflich davon. Und dafür kann man doch auch dankbar sein.
Vor einer Stunde erreichte mich die Nachricht einer Freundin – aus dem Krankenhaus:

Autounfall. Totalschaden. Nicht schuld. Untersuchungen laufen. Muss da bleiben.

Schon erstaunlich, für was man alles dankbar sein kann … zunächst mal bin ich dankbar, dass sie bei Bewusstsein ist und offenbar noch schreiben kann. Dann muss ich lächeln, dass auch hier die Schuldfrage anscheinend eine wichtige Rolle spielt. Und dann bin ich gerührt, dass sie mich noch am gleichen Tag informiert. Danke, liebe Freundin, und gute Genesung! Mögest Du bald wieder auf eigenen Beinen das Krankenhaus verlassen können!

Als ich gerade den Hund um die Grünanlage zerrte, schleuderten mir ein paar Autos entgegen und ich war froh, dass ich es nur ein paar hundert Meter zu Fuß nach Hause hatte. Hier funktioniert die Heizung, der Kühlschrank ist gut gefüllt und mein Bett wartet auf mich. Hoffentlich schlägt der Hustensaft aus Thymian Extrakt an, damit ich nicht noch eine Nacht mit dem Hund um die Wette belle …

So long!
Ysabelle

Drehohren …

Hallo, Welt!
Heute Morgen zum Ende der Hunderunde überquerte ich die Straße, um zum Bäcker zu gehen. Wir haben hier in der Stadt eine zweispurige Straße, in deren Mitte ein künstlicher Wasserlauf angelegt wurde. Entlang dieses „Fleth“ gehen beidseitig schmale Spazierwege und über den Wasserlauf führen kleine (glitschige) Holzstege.
Ich kam also über die Straße auf den Grünstreifen am Wasserlauf und wollte einen Steg nutzen. Von dort kam mir ein Mann mit einem schwarzen Hund entgehen, vielleicht ein Labrador. Der große Hund bellte, zog an der Leine in unsere Richtung. Wir standen vielleicht vier Meter entfernt. ICH stand. Fontane an der Leine. Er hatte schon Interesse, zu dem anderen Hund zu gehen, aber ich war stehen geblieben.

Der Mann versuchte auf verschiedene Arten, seinen Hund zu stoppen. Er riß ihn hoch, er nahm den Vorderkörper in den Arm, der Hund zog heftig und bellte weiter. Ich dachte, „gleich versucht der Mann ne Alpharolle“ (ein Versuch, den Hund zu „unterwerfen“). Das Intermezzo dauerte vielleicht 20 Sekunden. Der fremde Hund war sehr aufgeregt und bellig, der Mann genervt und gestresst. UND DANN blaffte er mich an: „Und Sie gehen auch noch auf meinen Hund zu!“
Ich war total perplex, denn ich stand ja wie angewurzelt mit zugegeben recht langer (ca. 1,50 m) Leine, aber einem stillen Hund, der sichtlich interessiert das Geschehen verfolgte. Dann sagte ich, „aber ich bewege mich doch gar nicht!“
Mit giftigem Blick riss der Mann seinen Hund an sich und zog den Widerstrebenden von mir aus nach rechts den Weg entlang.

Ich war fassungslos und entzückt zugleich. Was für ein schönes Beispiel für die berühmten Drehohren: . Vor allem Wolfsohren haben ja die Eigenschaft, sich superschnell zu drehen. „Du bist Scheiße • Ich bin Scheiße“Und es war offensichtlich, dass der Mann zunächst sich und den Hund Scheiße fand (wieso kriege ich dich Mistvieh nicht gebändigt? Verdammt!). Und dann hatte er in mir einen Schuldigen gefunden. HA! „Sie gehen auch noch auf meinen Hund zu!“ Also ich hatte seinen Hund provoziert. Oder die Nähe zu meinem Hund war zu viel für seinen, und das war meine Schuld … gut, dass wir das geklärt hatten!
Diese Drehohren-Nummer kenne ich von mir zur Genüge. Zuerst kommt immer das Schulddenken. Irgendetwas funktioniert nicht oder etwas ist kaputt gegangen oder etwas wurde vergessen und mein Trüffelschwein-Gehirn sucht als erstes einen Schuldigen. Falls er meint, dass ich es bin, projiziert es die Schuld schnell auf jemand anderes. „Aber XY hat das da liegen lassen, und deshalb konnte der Hund das zerkauen …“
Wenn ich mich dabei ertappe, grinse ich inzwischen. So viele Jahre Konditionierung auf Richtig oder Falsch lassen sich eben auch mit zehn Jahren intensiver Anwendung von GFK nicht ausbrennen. Und das heute Morgen war ein Paradebeispiel. Schade, dass keine Kamera lief!

So long! Ysabelle

Dankbarkeit 10.12.2017

Hallo, Welt!
Ich bin durch! Jedenfalls glaube ich das. Vorhin habe ich noch eine Auflistung meiner Privatfahrten in 2016 an den Steuerberater geschickt, diesen netten Menschen, der immer so beruhigend sagt, „kriegen wir hin“. Damit sollten alle, alle Unterlagen zusammen sein. Der ganze Budenzauber bzgl. Vorsteuer ist natürlich schon längst fertig, nur meine private Steuererklärung lag ein halbes Jahr brach. Aber jetzt ist das Ende in Reichweite, und wenn mich nicht alles täuscht, kann ich mit einer Nachzahlung rechnen. Aber selbst wenn es „zu Null“ ausgeht, bin ich einfach nur froh, wenn der Kram final vom Tisch ist. Und ich bin dankbar für alle Unterstützung, die ich dazu bekommen habe, zum Beispiel von früheren Arbeitgebern, der Agentur für Arbeit, meiner Schwiegertochter und eben besagtem Steuerfuchs.

Heute habe ich eine Sache erfahren, die für andere Leute gerade weniger als wunderbar ist. Jemand berichtete davon, dass er sich vor einer bestimmten Situation „fürchtet“, weil die Gegenseite einen Auftritt hat, dass sich die Person plötzlich wieder wie ein hilfloses Kind fühlt. Ich kenne so was auch. Manche Menschen können so etwas auslösen. Diesmal war es für mich ganz leicht, alternative Strategien vorzuschlagen und Anregungen zu geben. Ich glaube, dass ich an dieser einen Stelle das Konzept von Bedürfnis ./. Strategie gut verinnerlicht habe, und das freut mich gerade.

Seit zwei Tagen schleicht sich eine fiese Erkältung an. Morgens kriege ich keine Luft, mein Husten hört sich an, als hätte ich zu viel geraucht, und mir ist ständig kalt. Da bin ich einfach nur dankbar, dass ich die nächsten Tage keine aushäusigen Termine habe. Ich nehme mir fest vor, mich zu schonen. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Heute Abend habe ich sogar eine Liebesschnulze im ZDF gesehen. Wenn das keine Schonung ist … Hm. Andere Strategien wären mir lieber. Habt Ihr Vorschläge?

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 9.12.2017

Hallo, Welt!
Ich kann mich kaum noch bewegen, so vollgefressen bin ich gerade. Den Tag über habe ich mich mit zwei belegten Brötchen über Wasser gehalten. Heute Abend war die Weihnachtsfeier der Hundeschule mit Spanferkel-Essen. Ein deutlicher Rückfall in die Fleischeslust. Und total lecker!
Als ich gestern Abend mit dem Hund vom Trailen zurück kam, war ich einfach zu kaputt, um noch etwas Sinnvolles zu machen und bin stattdessen leidlich früh ins Bett gegangen. Auf der Hunderunde heute Morgen dachte ich, vielleicht ist heute mal der Tag zum Nichtstun. Um 12.40 Uhr habe ich mich dann mit Gewalt vom Rechner weggerissen, weil einfach noch so viel zu tun war und so wenig geschafft …

Aktuell haben wir einen Haufen Fehler im Shop und ich bin immer wieder voller Dankbarkeit, wie gnädig und geduldig die Kunden mit uns umgehen, auch wenn wir richtig Mist gebaut haben.

Heute am späten Nachmittag hatte ich einen sehr netten Austausch mit einem Kunden, der gern gestrickte Fingerpuppen gekauft hätte, aber wir kriegen die schon seit einem Jahr nicht an den Laden. Trotzdem blieb alles freundlich und wohlwollend. Total schön!

Dankbar bin ich auch meiner Freundin Marion, die mir gerade auf dem Rückweg von der Weihnachtsfeier noch einen vielversprechenden Tipp gegeben hat, wie ich Fontane einen Zirkustrick beibringen kann. Das mit dem Rückruf klappt ja leider nicht so gut, wie es mir lieb wäre. Da fehlen wohl noch ein paar Trainingseinheiten.

Ich bin der Verkäuferin in der Bäckerei (eine von den Jungen) total dankbar, dass sie mir heute zwei Kürbiskernbrötchen in die Tüte gepackt hat. Schokobrötchen gab es nicht, und da hat sie selbstständig die zweitliebsten in die Tüte getan. Erfüllte Bedürfnisse: Gesehen werden und Wertschätzung.

Ach … und eine Mail aus Mexiko erfüllte mir die Bedürfnisse nach Wertschätzung, Beteiligung, Feiern und Gemeinschaft. Meine Kollegin Sylvie ist gerade in Südamerika bei einem IIT und hat wie immer ein Magic Field Foto: Wolfgang Lenhardt(auf spanisch) im Gepäck. Die Locals sind so begeistert, dass sie unbedingt welche bestellen wollen, und jetzt eröffnen wir eine Produktion in Mexiko 😉

Ich bin dankbar für alle Zeichen der Freundschaft und dankbar, dass ich es warm habe. In einem Mietshaus in einem anderen Stadtteil ist die Heizung und damit auch für viele Mieter die Warmwasserversorgung ausgefallen, die Menschen versuchen sich mit Heizlüftern zu behelfen …

Ich bin auch dankbar, dass wir es im Laden bald (wieder) warm haben, denn Peter hat ja Donnerstag den Heizkörper angeschraubt. Jetzt fehlt nur noch das Themorstat. Aber das kriegen wir auch noch hin.

So long!

Ysabelle

Dankbarkeit 7. Dezember 2017

Hallo, Welt!
Heute bin ich zu erschöpft für einen längeren Bericht. Aber meine Dankbarkeit möchte ich trotzdem benennen.

Mein Freund Peter ist heute ins Büro gekommen und hat dort zum einen die neue Heizung angebracht. Mal sehen, ob wir es jetzt ein bisschen wärmer kriegen. Zum zweiten hat er zähneknirschend ein kleines Schuhregal zusammengebaut, das ich bei Amazon erlegt habe. Made in China, der Schreinermeister war höchst unzufrieden mit der Qualität. Aber jetzt steht es unten im Flur und ich kann mich hinsetzen, wenn ich mir die Schuhe anziehen will.

Aus dem Auto und ins Haus ist dieses 17 kg schwere Möbel gekommen, weil mein Nachbar von Gegenüber gerade mit zwei Kollegen einen Haufen Zeugs aus dem Auto geladen hat. Und ich habe kurzerhand gefragt, ob mir jemand tragen hilft. Schwups, stand das Regal im Flur.

Als ich dann in die Küche kam, wurde ich angestrahlt. Mein guter Engel war heute da und hat das Haus weihnachtlich geschmückt. Was für eine Freude! Erfüllte Bedürfnisse: Gesehen werden, Wertschätzung, Verbindung und Liebe. Ich habe mich so sehr gefreut! Jetzt werfe ich noch schnell ein bisschen Abendbrot ein und zerre dann den Hund kurz durch die Grünanlage, dann falle ich ins Bett.

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 6.12.2017

Hallo, Welt!
Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass ich handgeschriebene Post liebe. Heute fischte ich einen Dankeschön-Brief aus dem Kasten, der mich aufrichtig berührt hat. Eine Kollegin, drückte ihre Freude aus über eine Anregung, die sie durch mich erfahren hat. Total überraschend! Aber schön!
Dann ist heute mein erstes Kinderbuch aus der Druckerei gekommen. Ich bin ja ein großer Fan davon, Probedrucke zu machen, da sieht man am besten, was noch nicht rund läuft. Da ist also noch einiges zu tun, aber ich hoffe, dass es rechtzeitig zu Weihnachten fertig ist.
Es handelt sich um eine kleine Geschichte von Wolf und Giraffe. Geschrieben habe ich sie schon 2014, und bei der Erinnerung freue ich mich darüber, dass meine Mutter sie noch gelesen hat. Nun hat es so lange gedauert, bis sie illustriert wurde … Das Ergebnis finde ich ganz zauberhaft und ich freue mich schon, sie meiner Enkeltochter vorzulesen.

Heute ist Nikolaus. Verschiedene Leute haben Fotos über Whatsapp geschickt, was der alte Mann bei ihnen hinterlassen hat. Ich war ein bisschen traurig, denn bei mir war kein Nikolaus. Mit Schokolade hätte er mich auch nicht glücklich gemacht, aber Nüsse und Mandeln hätte ich schon genommen. Da erreichte mich ein kleines Video aus dem Lager: Ein guter Engel hat da Geschenke deponiert … und auch eins für mich!

Zu guter Letzt danke ich meinem Steuerfachmann, der mich seit 2012 durch die Untiefen des deutschen Finanzwesens lotst. Seit längerem bedenkt er mich mit Listen, was er für die Einkommenssteuer 2016 noch braucht. Es ist kompliziert, weil da mein Wechsel von Angestellt zu Selbstständig kam und noch dazu eine kleine Vergütung für meine Arbeit als Testamentsvollstreckerin. Heute Abend hatte ich ihm lang zurückgeschrieben und von meinen Bemühungen berichtet, die fehlenden Unterlagen zusammenzukriegen. Um 20:27 Uhr antwortete er mir:

Das hört sich doch schon mal gut an… Und die letzten Unterlagen bekommen wir auch noch zusammen bzw. finden andere Lösungen.

Ich bin morgen bis ca. 12 Uhr im Büro danach leider auf Seminar. Also wenn sie morgen früh vorbei kommen sollte es passen.

Wie wunderbar! Kein Gemecker, kein Unmut, sondern eine so freundliche Nachricht, die mir Mut macht. Da läuft mein Herz vor Dankbarkeit über.

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 5. Dezember 2017

Hallo, Welt!
Der Blick auf den Tag verändert sich im Dankbarkeitsmonat. Ständig prüfe ich, was denn geeignet wäre, um es hier zu feiern. Heute sind es ein halbes Dutzend kleiner Erlebnisse.
Der Drucker-Techniker war da. Wie schon mal vor fünf Wochen. Damals hat er den Riemen ersetzt, der den Kopierschlitten hin- und her zieht, aber schon zehn Tage später war er wieder kaputt. Und diesmal dauerte es drei Wochen, bis er den Weg hier raus gefunden hat. Er hat also das Ersatzteil erneut getauscht. Die neuere Version ist aus anderem Material und die Metallspange, die den Riemen zusammenhält, ist größer. Ich bin ja mal gespannt, was die Firma mir dafür auf die Uhr schreibt … Aber das Wichtigste: Ich kann wieder kopieren und das Ding piept nicht mehr ständig.

Fontane und ich waren heute beim Agility. Es waren keine (Hunde-) Damen außer einer sehr erfahrenen Yorkshire-Lady anwesend, und auf einmal konnte sich der Herr konzentrieren und 20 Hoopers auf Kommando laufen. Hoopers – das sind Bögen, die in einem Gestell stecken und die Hunde laufen drunter durch. Also ich war richtig stolz auf ihn!

Bei unserem Mittagsspaziergang habe ich zwei Mal einen Futterbeutel mit Leckerlis versteckt und Fontane hat ihn gefunden. Bin ich dafür dankbar? Na ja …, es freut mich. Solche Spiele tragen mit dazu bei, dass ich im Hier und Jetzt bin. Und dafür bin ich tatsächlich dankbar.

Zum Mittagessen gab es heute Sauerbraten, für mich gekocht von meinem Schlachter. Ich käme nicht im Traum auf die Idee, für mich allein Sauerbraten zu machen. Deshalb ist es umso schöner, wenn ihn einer so kocht, wie ich ihn am liebsten mag. Im Nachhinein fällt mir gerade auf: Rotkohl wäre dazu prima gewesen. Schade, dass ich da nicht früher drauf gekommen bin. Aber es hat auch so gereicht.

Das Schönste: Ich habe heute einen ganzen Haufen Rechnungen bezahlt. Und das Geld war da. Obwohl die Gehälter abgegangen und in den vergangenen Wochen heftige Ausgaben zusammengekommen sind, konnte ich alles vom gedeckten Konto begleichen. Das fühlt sich einfach wunderbar an. Und es bleibt sogar noch etwas übrig, um für unser Lager eine Heizung zu bestellen. UND! Ein Freund wird sie für mich anmontieren. Das Leben ist schön!

So long!
Ysabelle

Dankbarkeit 4. Dezember 2017

Hallo, Welt!
Gestern habe ich sechs Stunden gebügelt. Der Korb türmte sich einen Meter hoch. Zwei Meter entfernt von mir saß meine Schwiegertochter und hat sechs Stunden Lastschrifteinzüge bearbeitet. Ich glaube, ich hatte den besseren Deal …

Sie und mein Sohn sind ja nun schon zwölf Jahre ein Paar, meine Enkeltochter ist sechs Jahre alt. Und mindestens neun Jahre war unser Verhältnis gelinde gesagt kompliziert. Mit den früheren Freundinnen meines Sohnes hatte ich mich stets gut verstanden, mit seiner Frau kriegte ich trotz meines schönsten Bemühens einfach keine Verbindung zustande. Rückblickend spüre ich ganz tiefe Traurigkeit über diese Sprachlosigkeit zwischen uns.
Inzwischen arbeiten wir seit vier Jahren zusammen. Es fing damit an, dass ich jemanden für die Buchhaltung brauchte, zwei Stunden die Woche. Daraus ist inzwischen ein echter Halbtagsjob geworden. In unserer Zusammenarbeit hat es immer wieder ziemlich rumpumpelt. Zugleich waren wir beide immer wieder bereit, Unterstützung anzunehmen. Aktuell genießen wir die Supervision von Kristina Thiede. Ist das wunderbar, jemand anderem die Verantwortung für den Prozess in die Hände zu geben uns sich nur auf die Inhalte zu konzentrieren! Unglaublich, was alles ans Tageslicht kommt, wenn man sich die Zeit nimmt, darauf zu gucken und sich zuzuhören! Ich habe ja in meinem früheren Arbeitsleben ein Team von 30 Leuten und zeitweise genau so vielen freien Mitarbeitern geleitet und immer alles „allein“ versucht zu händeln. Supervision ist in der Medienbranche ein Fremdwort. Anscheinend gibt es so eine Fantasie, dass alle Beteiligten so oberschlau sind, dass sie immer und überall die richtigen Lösungen finden … UND die Belange aller ausreichend im Blick haben … Eine Fiktion, möchte ich sagen.
Ich danke heute meiner Schwiegertochter, dass sie sich immer wieder auf mich und meine Art eingelassen hat. Ich danke ihr für alle Veränderungen in unserem Umgang miteinander. ich danke ihr für all die Momente, in denen sie mich sehen kann, mit meinen Bedürfnissen und mit meiner gelegentlichen Bedürftigkeit.
Ich danke mir, dass ich immer wieder neu versucht habe, mit ihr in Verbindung zu kommen. Ich danke mir für meine Beharrlichkeit und dafür, mich in unserem Verhältnis verletzlich zu zeigen.
Und ich danke der Höheren Macht für alle Unterstützung von oben. Manchmal geht es nicht ohne …
So long!

Ysabelle

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